26/04/2018
Pfeil und Bogen aus Haselnuss und Schilfrohr einfach selber bauen
Neben einem selbst gebauten Tipi brauchen echte Naturkinder natürlich auch Pfeil und Bogen. In dieser Anleitung zeige ich Schritt für Schritt, wie man Pfeil und Bogen ganz einfach selber bauen kann – aus Materialien, die man kostenlos in der Natur findet: Haselnuss für den Bogen, Schilfrohr für die Pfeile.
Den Bogen aus Haselnuss selber bauen
Den Bogen bauen wir aus einem Ast eines Haselnusstrauchs. Haselnuss eignet sich dafür besonders gut: Die Äste wachsen oft lang und gerade, und frisches Haselnussholz ist trotz seiner Stabilität erstaunlich biegsam – ideale Voraussetzungen für einen selbst gebauten Bogen.
Was man für den Bogen braucht
- Ast aus Haselnussstrauch
- Reißfeste Schnur z.B. Paketschnur*
- kleine Säge
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Geeigneten Haselnussstrauch finden
Zuerst macht man sich auf die Suche nach einem geeigneten Haselnussstrauch, von dem man sich einen Ast absägen darf. Wer keinen eigenen Garten hat, wird oft am Waldrand oder an Feldrainen fündig – Haselnuss wächst häufig auch in der Nähe von Bächen und Gewässern.
Der ideale Ast ist möglichst gerade und hat einen Durchmesser von etwa 20 bis 25 mm – ungefähr so dick wie ein Daumen. Je größer der Bogen werden soll, desto dicker sollte der Ast sein. Für unsere Bögen mit einer Länge von etwa 100 cm reicht ein mittelstarker Ast gut aus. Da Haselnussäste meist sehr lang sind, lassen sich aus einem einzigen Ast oft gleich zwei Bögen sägen.
Schritt für Schritt: Bogen aus Haselnuss bauen
Den ausgesuchten Ast absägen, alle Blätter und kleinen Nebenäste entfernen und auf die gewünschte Länge (ca. 1 m) kürzen. Anschließend etwa 3–5 cm von jedem Ende entfernt eine Kerbe in den Ast sägen – in diese Kerben wird später die Bogensehne eingehängt.
Die Paketschnur etwa 10 cm länger als den Ast abschneiden. Ein Ende fest in die Kerbe auf der dickeren Seite des Asts binden. Am anderen Ende eine Schlaufe knüpfen, die gerade noch über den Ast passt – nicht zu groß, sonst hält sie nicht.
Zum Spannen des Bogens den Ast mit dem unteren Ende auf den Boden drücken, bis er sich genug biegt, um die Schlaufe über das obere Ende zu schieben. Wie das funktioniert, zeigt das Video.
▶ Video: Bogen spannen (YouTube)Fertig ist der Bogen – war gar nicht so schwer, oder?
Die Pfeile aus Schilfrohr selber machen
Für die Pfeile verwenden wir trockenes Schilfrohr. Es ist leicht, fliegt dadurch gut und ist als Pfeilmaterial außerdem vergleichsweise ungefährlich.
Was man für die Pfeile braucht
- Trockenes Schilfrohr
- Korken
- Messer
- Evtl. kleinen Bohrer oder Schraubenzieher
Wo findet man geeignetes Schilfrohr?
Schilfrohr wächst fast überall an Gewässern – an Flüssen, Bächen und Seen. Wichtig ist, dass es möglichst trocken, welk und stabil ist. Am besten sucht man im Frühling, bevor das neue grüne Schilf austreibt. Älteres Schilf findet man aber das ganze Jahr über am Ufer – es sollte allerdings weder weich noch verfault sein. Möglichst gerade Halme auswählen und mit dem Messer bodennah abschneiden. Beim Transport darauf achten, die Röhrchen nicht zu knicken oder zu zerdrücken.
Schritt für Schritt: Pfeile aus Schilfrohr bauen
Alle losen, welken Blätter vom Halm entfernen, bis nur noch das innere Röhrchen übrig bleibt. Ein möglichst gerades Stück von 60–80 cm abschneiden – so, dass sich an beiden Enden ein stabiler Knoten befindet, der das Rohr zusammenhält.
Auf der dickeren Seite (dem hinteren Ende des Pfeils) eine kleine Kerbe einschneiden – das ist die Nocke, in die später die Bogensehne eingelegt wird. Auf die dünnere Seite (die Pfeilspitze) wird ein Ring aus einem Flaschenkork gesteckt. Den Korken vorher mit einem kleinen Bohrer oder Schraubenzieher vorbohren, damit er sich leichter aufstecken lässt. Aus einem einzigen Korken bekommt man 2–3 solcher Ringe. Die Korkspitze beschwert den Pfeil vorne, sodass er stabil fliegt und nicht vom Wind abgeblasen wird. Wer eine stumpfe Spitze möchte, bohrt den Korken nur halb durch und steckt ihn so auf den Pfeil.
Tipp aus der Kindheit: Früher habe ich die Pfeile oft mit einem kleinen Stück Holunderast beschwert. Das weiche Mark im Inneren lässt sich leicht auf den Pfeil stecken. Davon wird heute allerdings abgeraten, da die Rinde des Holunders leicht giftig ist – besser beim Korken bleiben.
Fertig ist der Pfeil.
Pfeil und Bogen schießen – so geht's
Fertige Bögen und Pfeile – bereit zum Einsatz
Bevor ihr den Bogen ausprobiert: Sucht euch eine große, freie Fläche ohne Menschen, Tiere oder Gegenstände in der Schussbahn. Kinder sollten erst ab etwa 8 Jahren und immer nur unter Aufsicht Erwachsener schießen.
Die Grundtechnik ist einfach: Bogen mit der linken Hand in der Mitte halten, Pfeil mit der Nocke in die Sehne legen, zurückziehen und loslassen.
▶ Video: Pfeil und Bogen schießen (YouTube)Für den Anfang macht es am meisten Spaß, den Pfeil einfach so weit wie möglich zu schießen. Mit einem gut gespannten Haselnussbogen sind locker 20 bis 30 Meter drin.
Wer mehr Präzision üben möchte, stellt eine Zielscheibe oder ein paar Konservendosen auf. Mit geraden Pfeilen und etwas Übung trifft man eine Dose aus 10 Metern zuverlässig.
Haltbarkeit und Aufbewahrung
Weder der Haselnussbogen noch die Schilfpfeile sind auf Ewigkeit ausgelegt – das gehört bei Naturmaterialien dazu.
Der Bogen funktioniert am besten, wenn er frisch geschnitten ist. Nach einigen Wochen trocknet das Holz aus und kann brechen. Kühl und dunkel gelagert hält er etwas länger. Wichtig: Die Rinde unbedingt dranlassen und den Ast nicht schnitzen oder schälen – das beschleunigt das Austrocknen erheblich.
Die Pfeile sind noch vergänglicher: Sie brechen leicht, wenn man auf sie tritt, und können sich beim Abschuss über die Sehne spalten. Am besten gleich mehrere Pfeile auf Vorrat bauen. Trocken lagern, da Schilfrohr bei Feuchtigkeit fault.
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Michael 15/08/2022
Hallo,
sehr guter Beitrag zum Thema „Bogen selber bauen". Es zeigt mit welchen einfachen Mitteln Bögen hergestellt werden können. Mit dieser Anleitung ist jeder in der Lage seinen eigenen Bogen selber zu bauen. Vielen Dank dafür. Mir gefielen die guten Videoanleitungen und Bebilderungen.
Viele Grüße
Micha